Was ich alles nicht schaffe und mich trotzdem gut fühle. Inklusive Vollkorn-Brennessel-Quiche.



Einmal richtig peinlich bitte. Real Life und so.

Und da saßen wir nun, in der Therme, in der wir uns für eine „Verwöhnnacht“ eingebucht hatten, inklusive 5-Gänge Abendessen (das btw. einfach nach nichts geschmeckt hat), Luxus-Frühstück und zuckersüßen aber nicht ermüdendem Kleinkind. Und mitten in der Therme fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen, ich habe vergessen mir die Beine zu rasieren.

Eine kleine Stoppelwiese so wie sie eben ist wenn man es seit über eine Woche schlicht nicht geschafft hat in Ruhe zu duschen, nie mehr als 2 Minuten dafür Zeit hatte oder gemeinsam mit Kind in der Badewanne saß. Der Rasierer ist grundsätzlich immer im falschen Bad und bis man es merkt ist man auch schon wieder abgetrocknet und angezogen. Ich habe es also einfach nicht geschafft. Was mein Verlobter dazu sagt? Ich habe es erstmal für mich behalten und in dem Fall waren wir glücklicherweise mit dem Tatendrang und der Fröhlichkeit unserer Tochter dermaßen ausgelastet, (wir mussten auch ständig hinterherlaufen weil sie keine Sekunde still sitzen blieb) dass eh keine Minute für gegenseitige Begutachtung blieb. Klingt hart? War aber so und auch meine persönliche Erwartungshaltung war etwas anders. Ich sah uns nämlich in Ruhe auf dem Liegestuhl liegen und Zeitung lesen, das 5-Gänge Menü Abends über Stunden zu zelebrieren anstatt 30x ums Vorspeisenbuffet zu laufen und noch mit dem leer geputzten Teller am Tisch den nächsten Gang zu ordern. Aber soll ich euch was sagen? Ich würde nicht tauschen. Mit ihrem Lachen füllt sie schon am Morgen den Raum und wenn sie ihre kleinen Hände um meinen Hals schlingt, fest zusammendrückt und sagt „Mama, lieb!“, dann steht für mich die Welt still. Auch wenn das bedeutet:

Auch mal etwas nicht zu schaffen.

Als ich mir das eingestanden habe und akzeptiert habe, dass ich es eben einfach nicht geschafft habe ging es mir auch gleich viel besser. Einfach akzeptieren und mit dem Gedanken abschließen als sich stundenlang darüber zu ärgern und zu schämen. Und in Wirklichkeit geht es mir seit ich Mama bin ganz oft so. Mein Auto ist, wie mein Papa immer sagt, eine Katastrophe. In jeder Ritze, in auf jedem Sitz, in dem Seitenfach Bröseln vom letzten Brot, Kipferl oder Apfelscheiben. Von der Außenansicht will ich erst gar nicht sprechen. Nicht zu vergessen der Massage-Gutschein, der schon bereit zum Mitnehmen am Fensterbrett liegt. Nur mit dem Termin happerts. Wobei, eigentlich müsste ich ja zuerst mal dazu kommen anzurufen und einen zu vereinbaren.

Die Wäsche bei uns? Ja, die mache ich immer, mindestens eine Maschine am Tag, aber ich schaffe es einfach nicht sie die steilen Stiegen in den ersten Stock zu den Kleiderschränken raufzutragen und einzuräumen. Ich habe nämlich ständig entweder einen Kochlöffel in der Hand, unsere Tochter am Arm oder muss ein Auge auf sie werfen, Kind und Wäsche gleichzeitig zu tragen geht sowieso nicht. Oder ich empfinde andere Tätigkeiten genau in dem Moment als wichtiger. Immerhin ist die Wäsche sauber.

Aktuelle Lage im Gemüsegarten? GRÜN. Nur leider eben nicht das Grün der Pflanzen die ich gerne darin hätte. Also grabe ich zwischen dem Un(Bei)kraut Löcher und setze selbstbewusst meine kleinen Pflänzchen ein. Idealzustand – Nein. Kompromiss neben allen anderen Dingen und Projekten und Familie – ja. Tut gut das auch mal zu akzeptieren. Das Leben ist kein ständiger Wettstreit wer es besser, schöner, effizienter und schneller macht. Du bestimmst das Tempo und den Umfang. Und wenn du etwas nicht schaffst, dann vielleicht morgen. Oder einfach gar nicht. Vielleicht war es auch einfach nicht wichtig genug und das zu erkennen ist schon ein großer Schritt.

„Einfach mal einen Punkt machen. Das habe ich geschafft. PUNKT.“

Kein Häkchen, kein Beistrich, keine Ausnahme-Klammer. Das tut richtig gut. Das schafft emotionalen Freiraum.

So hat sich das Leben verändert und es gibt einfach Dinge die schaffe ich nicht mehr seit ich Mama bin. Ist okay so. Irgendwann schaffe ich eben diese Dinge wie perfekt rasiert und mit gezupften Augenbrauen und schönen Nägeln aus dem Haus zu gehen. Jetzt ist eben nicht meine Zeit dafür. Dafür aber immer frisch geduscht, mit Make-up und gemachten Haaren. Das ist mir persönlich wichtig. Ebenso wie jeden Tag frisch und gesund für uns zu kochen. ABER ich bin glücklich. Mit mir und mit meiner kleinen Familie.

Was das alles mit der Brennesseltarte zu tun hat? Eigentlich gar nichts. Aber ich finde das Rezept toll, es wurde in Windeseile verputzt, schmeckt herrlich nach Frühling und ist noch dazu sehr gesund.  Und es ist für mich ein gutes Beispiel für unkomplizierte, saisonale Familienküche. Nicht mehr und nicht weniger.

Und was schafft ihr alles nicht?

XX Meli

Vollkorn-Brennnessel-Quiche

für 4 Personen

Zutaten

250 g Dinkelvollkornmehl (oder Kamut oder Weizen)

100 g kalte Butter

2 Eier

2 EL kaltes Wasser

Salz

für die Füllung:

1 Pkg. Frischkäse Natur

200 g Sauerrahm

3 Eier

50 g geriebener Bergkäse

eine Handvoll Brennessel

frischer Thymian

eine Handvoll Cocktail-Paradeiser

Salz, Pfeffer

Für die Brennnesseln die frischen, junge Triebe verwenden. Diese vorsichtig mit der Hand oder mit Handschuhen pflücken, waschen und trocken tupfen.

Die Butter würfeln und mit Mehl, Ei, Salz und Wasser zu einem Teig verkneten. Den Quiche-Teig 30 Minuten kühl stellen. Das Backrohr auf 175 °C Heißluft vorheizen. Den Frischkäse mit den Eiern und dem Rahm verquirlen. Bergkäse reiben, Käse und Thymian untermischen und mit etwas Salz und Pfeffer würzen. Den Quiche-Teig mit einem Nudelholz auswalken und in eine Quiche-Form legen, die Ränder hochziehen. Den Boden mit der Gabel mehrmals einstechen und 5 Minuten blind backen. Ein paar Brennnesseln auf den Boden legen, die Frischkäse-Creme darauf verteilen und dann wieder mit Brennnesseln und halbierten Paradeisern garnieren. Im Backrohr bei 175°C ca. 30-35 Minuten goldbraun backen.





Kommentar schreiben

Deine Emailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

*


Kommentare

Kathrin

auf dieses rezept habe ich gewartet! hab die tarte schon auf instagram gesehen und ich hoffe, ich kann sie am wochenende backen!
um auf deinen eintrag zurückzukommen: ich habe zwar kein kind, schaffe dennoch so einiges nicht. aber wenn man 40 std. arbeiten und jeden tag 2-2,5 std. pendeln muss, wirds auch schwierig. wäscheberge kenne ich. ich wasche gerne, aber für bügeln und zusammenlegen fehlt die motivation. einen termin für den hautarzt sollte ich auch längst schon ausmachen und das bad, naja, sollte auch wieder geputzt werden. mal stört es mich mehr, mal weniger. aber ich gehe auch offen damit um, kann ruhig jeder wissen!
ganz liebe grüße aus tirol!


meli

Yeah, dann ran an die Quiche! Und ich freu mich dass es nicht nur mir so geht. 😊


Karin

Liebe Meli!
Ich sage immer „Mutter/Eltern sein ist die schwierigste Aufgabe auf der Welt! Aber wohl auch die Lohnenste!“ Da sind unrasierte Beine nebensächlich! 😉
Dir alles Liebe!
Karin