Aus Bauernhand: Asien trifft Pannonien



Für die unendliche Weite ist er bekannt und für das typisch pannonische Klima: der Seewinkel. Hierbei unterscheidet er sich vom Rest Österreichs, denn nirgends sonst wird soviel Gemüse geerntet wie auf diesen Böden. Geschichtlich betrachtet ein Neuzuwachs und doch essentiell für die Ernährung eines ganzen Landes. Hier ist der dritte Schauplatz unserer Entdeckungsreise „Aus Bauernhand“ – und der Seewinkel bleibt seinen Versprechungen treu. In Pamhagen strahlt die Herbstsonne in voller Kraft und bringt die Schätze des Biohof Leyrer zum Leuchten. Wie Goldstücke glänzen Kichererbsen, Hirse, Dinkel, Belugalinsen, Mohn, Weizen und der Seewinkler-Reis, schön drapiert auf einem alten Gummiwagen in der Sonne. Umgeben werden sie von Erdäpfeln, Süßkartoffeln, Chili, Pfefferoni, Paprika und Gurkengesichts-creme sowie Gurken-Body Lotion. Dahinter stehen kurz vorher aus der Erde ausgegrabene Reispflanzen zum Fühlen und Bestaunen. Man merkt es sofort – hier ist eindeutig alles möglich.

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janat_Bgld_22Österreichische Geschichte wurde in den letzten Tagen hier geschrieben, denn erstmalig werden in Österreich große Mengen an Bio-Reis geerntet. Gleich zwei Bio-Betriebe, der von Erich Leyrer senior und junior und der von Erwin Unger haben sich diesem besonderen Produkt verschrieben und scheuen keine Mühen für herausragende Qualität. Letzten Samstag allerdings geschah noch etwas Besonderes – das erste Reiserntedankfest fand hier auf einem kleinen Feld hinter der Gerätehalle des Biohof Leyrer statt. Der erste österreichische Reis stand natürlich im Mittelpunkt und wurde schon vorweg, als kleiner Aperitifhappen, in Form von Reiscracker mit Grünkohl, Schafsjoghurt, Apfel und Süßkartoffel, serviert. Tobi Müller vom Heurigen Schwein und Wein in Purbach hat hier ganze Arbeit geleistet, denn die Cracker schmeckten einfach fantastisch und knackten so richtig schön beim Reinbeißen. Um die Stimmung gleich zu Beginn ein wenig anzuheizen habe ich zusätzlich einen Gurken-Ingwer-Glühwein gekocht, mit dem Gurkensaft des Biohof Leyrer, Äpfeln und Zimt.

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janat_Bgld_2_6Mit einem burgenländisch-asiatischen Crossover-Menü zum Reiserntedank brachte Tobi Müller mehr als einen Hauch Asien auf die Teller oder besser gesagt in die Schalen der Besucher, denn entsprechend der asiatischen Kultur wurden alle Speisen in die Mitte der Tische gestellt und jeder konnte nach Belieben seine eigene Schale damit füllen. Es gab rot gekochtern Schweinebauch bzw. Zeller in burgenländischem Sherry, unpolierten roten und schwarzen Reis aus dem Seewinkel und den berühmten Mapo Tofu. Selbst der Tofu, der dafür verwendet wurde, stammt aus dem südburgenländischen Rotenturm an der Pinka, wo er von Chuang Shu-Chen nach alter Tradition hergestellt wird. Kürbis mit seltsamen Geschmack war Tobis Pendant zu einer traditionellen Würzkombination, die in der chinesischen Küche „seltsamer“ oder „komischer“ Geschmack heißt. Seltsam war dabei in Wirklichkeit allerdings nichts, außer dass die Servierschalen trotz Nachfüllen seltsamerweise dauernd leer waren. Zum Auslöffeln der Reste wurde wie in China im Anschluss eine Suppe serviert, Tobias Interpretation war eine Pastinaken-Sauerkraut-Suppe mit getrocknetem Sauerkraut. Mehr Asia-Feeling inmitten der Seewinkler Felder geht kaum und wurde in dieser Form bestimmt auch noch nie geboten. Für Begeisterung sorgte auch das anschließende Dessert – ein roter Reispudding mit Nüssen und Zwetschken.

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janat_Bgld_24_7Kitschig-schön war auch der anschließende farbenfrohe Sonnenuntergang – der Seewinkel weiß eben wie er seine Gäste verabschiedet. Als kleines Abschiedsgeschenk überlegte ich mir für jeden Besucher ein Glas süß-scharfe Chilipaste, um ein wenig asiatisch-pannonische Würze mit in die eigene Küche zu bringen.

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Für alle die nach dem Rezept des Gurken-Ingwer-Glühwein gefragt haben:
Zubereitung Gurken-Ingwer-Glühwein

  • 1 L Gurkensaft (z.B. vom Biohof Leyrer)
  • 1 Flasche trockener Weißwein
  • 1/8 L Wasser
  • 1,5cm frischer Ingwer
  • 1/2 Apfel
  • eine kleine Zimtstange
  • 3 Nelken
  • Kristallzucker nach Belieben
  1. Gurkensaft, Wasser und Weißwein in einen großen Topf geben. Den Ingwer schälen und in Scheiben schneiden.
  2. Den Apfel ebenfalls in Scheiben schneiden und gemeinsam mit dem Ingwer, der Zimtstange und den Nelken in einen Teefilter oder einen sauberen Strumpf geben. Den Teefilter in den Topf hineinhängen und die Flüssigkeit aufkochen.
  3. Den Zucker nach Belieben hinzufügen und den Glühwein ca. 40 Minuten ziehen lassen.
  4. Den Teefilter entfernen und den Glühwein heiß genießen.

Pfiat eing God,
das Mundwerk

Zutaten:

Gurken-Ingwer-Glühwein: 1 L Gurkensaft (z.B. vom Biohof Leyrer); 1 Flasche trockener Weißwein; 1/8 L Wasser; 1,5cm frischer Ingwer; 1/2 Apfel; eine kleine Zimtstange; 3 Nelken; Kristallzucker nach Belieben





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Kommentare

Mario Pomper

Hallo Meli!

Wollte nur mitteilen, dass die richtige Schreibweise des Ortes im Südburgenland (Tofuproduktion) Rotenturm an der Pinka wäre. :).

Grüße aus dem sonnigen Südburgenland

Mario


meli

Lieber Mario, vielen Dank für den Hinweis! Das war leider die Autokorrektur – jetzt ists richtig 🙂

Liebgruß


Ja! Natürlich

Liebe Meli,
wir lieben deine Texte und die Bilder, deine liebevollen Schmankerl, die an unsere #ausbauernhand-Gäste nach jeder kulinarischen Entdeckungsreise als Give-away verteilt werden, sowieso!
Danke für deine große Leidenschaft, die du unserem Projekt entgegenbringst.
Wir freuen uns auf die Fortsetzung 2016.


meli

Es waren auch für mich wieder ganz besondere Erlebnisse an wunderbaren Orten bei unglaublich beeindruckenden Menschen. Auch ich würde mich über eine Fortsetzung freuen, denn ich glaube es gibt noch so vieles mehr zu entdecken 🙂


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