Do bleibt ka Noagl iwa!



auch: da bleibt kein Schluck übrig
Weißwein, Käferbohnen, Kürbiskernöl, Steirersterz und einen Kopf voll neuer Ideen und Rezepte – das haben wir vom letzten Wochenende in der Südsteiermark mitgenommen.

Weintouristen sind sind wir nicht oft, wohnen wir doch in Gols, der größten Weinbaugemeinde Österreichs. Aber von Gernots Idee „Fahr ma doch mal nach Gamlitz“ war ich sofort überzeugt und aus dem „mal“ wurde nächste Woche. Also machten wir uns am letzen Märzwochende auf den Weg in die Südsteiermark und siehe da, auch das Wetter war auf uns unserer Seite. Bei über 20°C konnten wir die Jacken auch gleich mal im Auto lassen. Weil es, als wir gut gelaunt dort ankamen, gerade Mittagszeit war und wir uns nicht mit einem leeren Bauch ins Steirerland stürzen wollten, zog es uns auch gleich zum Jaglhof. Ein erst vor kurzem neu übernommenes Restaurant mit herrlicher Aussicht am Sernauberg. Der sympathische Hausherr überraschte uns mit einem Gedeck, das uns sofort ins kulinarische Wonderland der Südsteiermark versetzte. Auch das kurz darauf servierte Steirische Backhenderl wurde im Brotkörberl serviert und wir wunderten uns ob es tatsälich „nur“ ein halbes Backhenderl war. Dieses Sulmtaler Hendl muss ja riesig gewesen sein! Nur mit vereinten Kräften haben wir es geschafft, die goldig knusprig gebackenen Hendlstücke mit frittierter Petersilie zu bezwingen.  Zusätzlich mussten wir ja auch ein Bauchfleisch vom hier so bekannten Vulcanoschwein in Terriyaki probieren. Das herrlich gewürzte Fleisch schmeckte grandios in Kombination mit der süßen Terriyakisauce und den schwarzen Nüssen. Und weil wir anscheinend immer noch nicht wirklich satt wirken – den ersten Knopf der engen Jeans musste ich schon fast öffnen – gabs als Draufgabe eine süße Brettljause (als kleiner Küchengruß versteht sich). Herrlich! Als „Fluchtschnapserl“ wurde dann noch einen super-cremiger Krenlikör kredenzt. Eigentlich hätten wir nach all den kulinarischen Köstlichkeiten ein Bett gebraucht aber wir sind ja nicht zum Schlafen in die Südsteiermark gefahren und so gings auf zum Wanderweg am Sernauberg.

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Gamlitz Jaglhof

10km soll er sein und mitten durch die Weinberge führen. Jaja „wandern“ geh ma in den Weinbergen – damit ist bestimmt ein gemütlicher Spaziergang durch die Weingärten gemeint, dachte ich mir. Falsch gedacht, die 10km waren ebenso ernst gemeint wie das Wandern, denn schon nach 2km musste ich mir eingestehen, dass ich in meiner Schuhwahl eindeutig daneben gegriffen habe. Was die Weinberge betrifft: Ich als Flachlandindianer konnte nur so staunen, denn im Gegensatz zu unserem „Salzberg“, „Goldberg“ und “ Ungerberg“ sind die Berge der Südsteiermark ja „echte“ Berge. Steht man an der Spitze eines Berges wird dem Auge eine unglaublich stimmungsvolle Kulisse geboten. Einerseits sieht man die sonnendurchflutenden Weingärten, die gerade sanft aus dem Winterschlaf erwachen, andererseits die Wälder mit ihren dunkelgrün, an den Baumwipfeln violett wirkenden Blättern. Und dazwischen, liebevoll eingebettet, findet man zahlreiche Buschenschenken, Weingüter und Bauerhäuser. Auch die Luft ist so herrlich frisch hier, die kühle Waldluft mischt sich mit dem lieblichen Duft der ersten Frühlingsblumen. Und wer kurz inne hält und die Augen schließt nimmt ein leises Plätschern des nahe gelegenen Bächleins wahr und freut sich am fröhlichen Gezwitscher der Vögelchen. Den Wanderweg am Sernauberg kann ich nur jedem empfehlen, der sich dafür entscheidet, Gamlitz einen Besuch abzustatten – aber bitte lasst die Stiefeletten daheim. 😉

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Beim Wandern in der Südsteiermark schafft man es sofort abzuschalten und voll und ganz in die harmonische Landschaft einzutauchen. In den kleinen Bächen am Wegesrand tummeln sich ein paar Enten und die Waldböden sind nach dem sanften Winter noch mit Blättern in allen möglichen Brauntönen übersäht. An einer kleinen Wegkreuzung fiel uns die Wahl des weiterführenden Weges nicht schwer: ein schmaler Trampelpfad weist uns den Weg durch den Wald, um uns herum nur leises Vogelgezwitscher und das Rauschen der Bätter. Mittendrin, an diesem stillen, harmonischen Plätzchen standen wir nun vor einem renovierten Bauernhäuschen, das in mediterranen Erdtönen dem saftigen Grün der Wälder einen Kontrast bot. Mediterran ist das Stichwort, denn diese liebevoll mit alten Möbelstücken, Töpfen und aus Naturmaterialien gebastelten Gartenzäunen dekorierte Anlage ähnelt einem toskanischen Gutshof. Ambiente Toskana, wie schon der Name verrät, vereint die Farbenprächtigkeit der Südsteiermark mit dem stilvoll schlampigen Look der Toskana. Im Sommer werden hier rauschende Feste gefeiert. Der urige Weinkeller mit seiner robusten Tafel lädt ein zum Philosophieren über die dort servierten Schmankerl und Weine. Wer ein richtiges Abenteuer erleben will bucht ein „Zimmer“ im Garten und hat die Wahl zwischen einem Himmelbett, mitten im Blumengarten, oder einem Bett auf der offenen Terrasse. Für die weniger abenteuerlustigen Besucher und doch Liebhaber des toskanischen Lebensstils, steht ein in terrakotarot gehaltenes Ferienhaus zum Mieten bereit. Die Freude von Gabi und Hannes Malzbauer an ihrer toskanische Oase ist nicht zu übersehen und wer es schafft, sich von den Betongugelhüpfen, mit Moos überzogenen Kleiderpuppen und als Blumenkisterl dienenden Fahrradkörben loszureißen, weiß dass er bald wieder kommen wird.

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Die Wahl eines Zimmers für unseren Kurzurlaub fiel mir schwer, da die Auswahl an einladenden Gastwirten, Buschenschenken und Hotels an der südsteirischen Weinstraße sehr groß ist. Ein kleiner Text über die Famlie Söll bewegte mich dann dazu, ihr Winzerzimmer für  zwei Nächte zu buchen. Und ich habe eindeutig die richtige Wahl getroffen. Denn wenn man das Anwesen der Familie Söll in Gamlitz betritt, spürt man sie gleich: die Harmonie in der die Familie zur Natur lebt. „Der Mensch braucht die Natur aber die Natur braucht den Menschen eigentlich nicht“ sagt der Winzer Hannes Söll schmunzelnd. Er betreibt seinen Weinbau nämlich nicht nach konventionellen Methoden, sondern versucht so wenig es geht in den Kreislauf der Natur einzugreifen. Vor Jahren hat er sich für diesen Weg entschieden und Schritt für Schritt, Jahr für Jahr versucht er seinen Traum zu verwirklichen. Und wers nicht glaubt dass es funktioniert, der muss unbedingt ein Gläschen Wein verkosten, denn seine Weine sind herrlich. Selbst die Rotweine, für die die Südsteiermark ja nicht allzu bekannt ist, lösen einen Freudensprung am Gaumen aus. Aber nicht nur der Hannes hat sich die Natur als Lehrmeister gewählt, auch seine Frau Maria nutzt deren Vielfalt für grandiose Kräutertees, vitaminreiche Eierspeisen und liebevoll arrangierte Blumenbeete. Und wer nach ein paar Gläschen Wein ein Bett braucht, wird von den lichtdurchfluteten Gästezimmern überrascht sein. Mit dem herrlichen täglich wechselnden Frühstücksbuffet kann man den Urlaub richtig genießen und verliert sich in einem Meer an Sinneseindrücken. Bei uns gabs zum Frühstück einmal sogar Sterz, aber nicht den, den man bei uns kennt, sondern einen richtigen Steirersterz. Gemacht wird der Sterz aus Maispolenta, den die Hausherrin immer frisch von der nahe gelegenen Mühle holt. Mit frischem Schafjoghurt und Honig ist man dann gestärkt für die „Genussreise“, wie es in den zahlreichen Broschüren genannt wird. Ich hab mich von Marias Sterz inspirieren lassen und für euch ein Stück Steiermark mitgenommen:

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Zubereitung Steirersterz:
Für den Steirersterz zuerst das Salzasser in einem Topf erhitzen. Wenn das Wasser kocht den Maisgries langsam einrühren, am Besten mit einem Schneebesen. Sobald der Sterz die Flüssigkeit aufgesogen hat, lässt man ihn auf kleinster Flamme 10 Minuten ziehen. Nun kann man den Herd abschalten und den Sterz weitere 10 Minuten stehen lassen. Zuletzt lässt man die Butter über den Sterz schmelzen und zerbröselt ihn ein bisschen mit einer Gabel.

Der Steirersterz aus Polenta eignet sich gut als Frühstück mit Joghurt und Honig zum Milchkaffee. Wer will, kann ihn aber auch mit Grammeln bestreuen und dazu grünen Salat genießen.

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Für ihr nussig-würziges Kürbiskernöl ist die Südsteiermark ja ebenso bekannt wie für ihre fruchtigen Weißweine. Und genau dieses Kürbiskernöl, gewonnen aus Ölkürbissen, war daran beteiligt, dass ich so ziemlich den besten Salat meines Lebens gegessen habe. Der Buschenschank von Heike Skoff, der diesen grandiosen Salat in der Küche gezaubert hat, hatte wegen einer privaten Geburtstagsparty eigentlich geschlossen, doch die sympathische Jungwinzerin hat uns herzlich empfangen. In dem freundlichen Buschenschank am Kranachberg gibts natürlich nicht nur Salat. Auch Fleischliebhaber kommen mit der deftigen Bauernjausen voll ihre Kosten. Hier fühlt man sich wohl und kann nach einer Fahrradtour oder einer ausgiebigen Wanderung die Vielfalt der Südsteiermark voll und ganz genießen.

Steirischer Bauernsalat

Zubereitung Steirischer Bauernsalat
Für den Bauernsalat das Gemüse klein schneiden und schön in einer Salatschale oder auf einem Teller anrichten. Die gekochten Käferbohnen hinzugeben und nach Belieben mit Schinken (ich habe Saunaschinken dafür verwendet) oder Speck garnieren. Wie in dem Bauernsalat in der Steiermark habe ich auch Schafskäse hinzugegeben, super lecker ist der von der Schafzucht Hautzinger aus Tadten. Zum Schluss Kräutersalz, Kürbiskernöl und Apfelessig gut vermischen und über das Gemüse geben. Am besten mit frischem Brot servieren. Der Salat ist auch ideal als leichtes Sommergericht und dazu gibts ein guten Glas Weißwein.

An alle, die noch nicht wissen, wo es heuer im Urlaub hingehen soll und an Kurzentschlossene: kramt ein gutes Paar Schuhe aus dem Schrank und genießt ein paar Tage in der traumhaften Südsteiermark.

Servus,
euer Mundwerk

 

 

Zutaten:

Steirersterz: 250g Maisgries (Polenta);400ml Wasser;1/2 TL Salz;20g Butter

Steirischer Bauernsalat: frischer Salat;gekochte Käferbohnen;Paprika;Tomaten;Radieschen;Jungzwiebel;Schafskäse (Hautzinger);Saunaschinken;Kräutersalz;Apfelesseig;Kürbiskernöl





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